aufdecker unserer geschichte
miju #30, dez’18

Aus der Schweiz zieht er ins Weinviertel. Er gräbt, ohne die Erde zu berühren, nach den hiesigen Kreisgrabenanlagen und dem englischen Stonehenge, das er kurzerhand im MAMUZ nachbaut. Er war Wissenschafter des Jahres, ist Leiter des Ludwig Boltzmann-Institutes für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie, außerordentlicher Professor an der Universität Wien, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Teil einer Großfamilie. Der Mann hat sicher viel zu tun und wirkt doch so ruhig. Wolfgang Neubauer ist Archäologe ohne Schaufel, denn er scannt und röntgt den Boden. Zerstörungsfreie Untersuchung nennt man das. Und er ist begeisterter Wahl-Weinviertler.

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In Föllim dreht sich bekanntlich die Weltachse. Vielleicht ist das der Grund, warum es die Familie Neubauer ins entlegene Dorf am Rande der Gemeinde Poysdorf zog. Geboren und aufgewachsen ist Wolfgang Neubauer in der Schweiz. Nach Wien kam er, um Prähistorische Archäologie, Informatik und Mathematik zu studieren. »Eigentlich wollte ich in Innsbruck studieren. Zwischen den Bergen, nebenbei als Skilehrer arbeiten«, erzählt Neubauer den Traum vieler Studenten. Doch er wollte Archäologie und Informatik kombinieren. Letzteres gab es aber an der Uni Innsbruck nicht. In Linz hätte es Informatik gegeben, dafür wiederum keine Archäologie. Also ist es Wien geworden. Ein paar Semester wollte Neubauer dann in Norwegen studieren. Aber in Wien wurden  die Magnetfeldmessungen möglich, die den jungen Studenten so sehr faszinierten, und diese funktionieren auf Lössböden hervorragend. Also ab ins Weinviertel zu den unzähligen Zeugnissen frühester Besiedlungsgeschichte, um sie ohne Zerstörung zu untersuchen.

Zu allererst widmete er sich den Kreisgrabenanlagen im Weinviertel. Im Zuge der großen Messungen in Asparn an der Zaya besucht Neubauer einen Feuerwehrheurigen, wo er unverhofft seine Gattin kennenlernt. Mittlerweile haben die beiden fünf Kinder. Mit jedem Kind haben sie sich weiter von der Stadt entfernt, wie Neubauer es ausdrückt: Zuerst lebten sie in Wien, dann in Ulrichskirchen, mit dem ersten Kind zogen sie nach Neubau-Kreuzstetten und seit 13 Jahren lebt die 7-köpfige Familie in Föllim bei Poysdorf. Es zog sie immer weiter in die Grünruhelage. Natürlich werden sie oft gefragt, was es bringe, wenn man so weit am Land lebt. »Es bringt Ruhe und die Dörfer nördlich von Mistelbach sind sehr viel offener als südlich davon. Speziell die Dörfer rund um Poysdorf, da ist man sehr rasch integriert, das ist ein großer Vorteil« – das empfindet der Archäologe als großen Unterschied innerhalb des Bezirks. Vielleicht ist die Offenheit aber auch nur ein Spezifikum für Föllim. »Außerdem ist es am Land sehr viel sinnvoller mit Kindern. Hier macht man die Tür auf und sie können sicher im Garten spielen. In Wien ist das sehr viel komplizierter. Da hätten wir wahrscheinlich nur ein Kind«, gibt Neubauer zu bedenken. Außerdem seien die Fahrzeiten zum Institut und zum Flughafen entscheidend. »Von Föllim dorthin ist es die gleiche Zeit wie von der Stadt weg. Uns gefällt es hier«, schließt Neubauer.

»Gerade im Weinviertel finden wir die ältesten Spuren von sesshaften Menschen«

Durch die Beschäftigung mit den neuen Methoden des Bodenröntgens und -scannens hat es sich ergeben, dass der Archäologe von Beginn an mit Geophysik und Geodäsie zu tun hatte. Mittlerweile betreibt er damit Untersuchungen in Norwegen. »Das heißt, der ursprüngliche Plan nach Norwegen zu gehen, hat sich jetzt immerhin dahin entwickelt, dass wir nun große Projekte dort machen. Diesen Sommer war ich mit 30 Studenten in Norwegen für eine Lehrgrabung«, schildert der 55-Jährige. Das macht er ein- bis zweimal im Jahr. »In Norwegen wäre es im Sommer angenehm zu graben«, sollte er sich täuschen, »denn im Weinviertel ist es nicht mehr lustig, wenn die Sonne so brutal herunterheizt oder ein Gewitter kommt und alles wegschwabt.« Doch dann hatte es auch in Norwegen 30 Grad den ganzen Monat. Einstweilen noch selten, bald vielleicht Normalwerte.

Eine spezielle Vorliebe für nordische Kulturen hat Wolfgang Neubauer aber nicht notwendigerweise, nur weil er in Österreich und Großbritannien den Menschen der Steinzeit auf der Spur ist und in Norwegen den Wikingern. »Gerade im Weinviertel finden wir die ältesten Spuren von sesshaften Menschen«, erklärt Neubauer sein wissenschaftliches Interesse an der Gegend und weiter: »Wenn man sich nicht die Weltgeschichte, sondern die Geschichte des Menschen in der Welt anschaut, dann ist das Weinviertel ein ganz wichtiger Bereich. Um 5000 v. Chr. hat bei Kleinhadersdorf eine große Siedlung bestanden. Die Auswertungen sind noch nicht fertig, wahrscheinlich werden wir Anfang nächsten Jahres etwas präsentieren können. Es sind die ersten Siedlungen in dem Raum und in Österreich überhaupt. Hier haben sich die ersten Menschen im heutigen Österreich niedergelassen. Die Archäologie ist überall dort aktuell, wo der Mensch gelebt hat.«

»Wir würden also nie Stonehenge untersuchen, bevor wir nicht die Kreisgrabenanlagen im Weinviertel untersucht hätten«

»Wir haben die Cheops-Pyramide gescannt, wir haben die Sphinx gescannt, wir waren in Stonehenge, aber die Kreisgrabenanlagen in Wilhelmsdorf sind genauso wichtig«, betont der Wissenschafter des Jahres 2015. Immerhin gibt es im Weinviertel eine sehr große Dichte davon mit um die 40 Stück. Und sie sind wesentlich älter als Stonehenge. »Wir würden also nie Stonehenge untersuchen, bevor wir nicht die Kreisgrabenanlagen im Weinviertel untersucht hätten«, erklärt Neubauer die Dringlichkeit weiterer Feldforschungen in unserem Gebiet. So wissen wir heute, dass die Menschen damals vom nördlichen Balkan, aus der Donau-Theiß-Region eingewandert sind und ihre Kultur mitbrachten, die sich hier mit anderen Kulturen vermischt hat, woraus wiederum neue Kulturen entstanden sind. »Deshalb sind diese Monumente sehr wesentlich gewesen, denn damit demonstrierten die neuen Kulturen Macht und erschufen ein Wir-Gefühl. Um 4900 v. Chr. gibt es eine Zäsur. Um diese Zeit datieren sich sehr viele Gräber mit Hunderten von Toten. Die Keramiken, die diese Leute gehabt haben, sind nicht mehr da. Dafür finden wir ganz massiv Obsidian. Der kommt in den Tokajer Bergen vor, wo er zu dieser Zeit abgebaut wurde. Dann geht der Abbau dort zu Ende. Fragt man sich, warum wird nicht mehr abgebaut? Weil die Leute nicht mehr dort sind. Wahrscheinlich wegen ökologischen Katastrophen. Ein mögliches Szenario: Die Theiß ist war Oberlauf stark ausgetrocknet, in den Becken bildeten sich dann Algenteppiche, die das Grundwasser und Brunnen vergifteten, die Leute mussten die Heimat verlassen und gingen ins heutige Weinviertel. Im Auswanderungsgebiet findet man zahlreiche kultische Hinweise, dass Menschen Naturkatastrophen irgendwelchen höheren Mächten zugeschrieben hatten: In Ungarn gibt es einen Brunnen, in dem eine ganze Familie bestattet wurde – ein Hinweis auf verseuchtes Brunnenwasser –, mit dazu bestattet hat man Hunderte von Gefäßen. Damit wollte man scheinbar die Naturmächte befrieden, die das Sterben dieser Familie und vieler anderer Menschen ausgelöst haben sollen«, gibt der Forscher einen kurzen Abriss der Frühgeschichte unserer Heimat. Diese Einwanderungsbewegung ins heutige Weinviertel wird leider nicht friedfertig zugegangen sein, weiß er anhand der vielen Massengräber.

Flankiert von zweien seiner vier Söhne, erzählt Neubauer dann von seinem Leben abseits der Wissenschaft: »Ein Argument, warum man so weit draußen nicht wohnen kann, ist immer, dass es wenig kulturelles Angebot gäbe. Aber wenn man fünf Kinder hat, braucht man kein kulturelles Angebot. Abgesehen davon gibt es sehr wohl genug, das genauso toll ist wie etwas in Wien. Da geh ich lieber ins Nonseum, wenn’s eine lustige Geschichte gibt, als irgendwohin in Wien.« Doch auch er kommt, wie so viele andere, um einen kleinen Einwand nicht umhin: »Ich ginge auch gern zu den Puppentheatertagen. Aber da habe ich das Problem, dass ich immer erst mitkriege, was für ein Programm gewesen wäre, wenns schon wieder vorbei ist. Das habe ich noch nicht ganz verstanden, warum man in einer Region, wo keine Millionen von Leuten leben und es daher eigentlich recht simpel wäre, eine Information breit zu streuen, Dinge nicht besser bewerben kann.« Manchmal drängt sich auch bei Neubauer das Gefühl auf, als wolle man neue Besucher um jeden Preis vermeiden. Beispiele gäbe es dafür noch viele weitere. Etwa sind ihm und etlichen anderen treuen Kunden des Weinmarkts Poysdorf das 30-Jahr-Jubiläum desselben entgangen. Seinen jüngsten Sohn beschäftigen derweil noch andere Dinge. Er malt eine Schatzkarte auf ein Blatt Papier, das ihm der Vater gegeben hat, nur die Rückseite, die darf er nicht bemalen: »Das brauch ich noch, ist ein Geheimcode für ein Computerprogramm.« Auch Arbeitsunterlagen werden mit den Kindern geteilt, genau so, wie sie in seine Forschungsprojekte mit einbezogen werden. Manchmal kommt der eine oder andere auf Grabungen in den Sommerferien mit, aber die großen Projekte finden in der Schulzeit statt. Der Kleinste verrät, dass er Zauberer werden will, der Mittlere setzt seine Ziele eher kurzfristig, er will zuerst mal die Schule schaffen.

»Große Flächen werden verändert oder zerstört, ohne dass Grabungen stattfinden. Im Durchschnitt 20 Hektar pro Tag! Dabei könnte so viel erhalten bleiben, wenn man das Gelände vorab zerstörungsfrei untersuchen würde.«

Ein Forschungsbereich, wie der des Herrn Neubauer, ist interdisziplinär sehr breit gefächert. Historiker, Physiker, Geodäten, Geophysiker, Mechatroniker oder Maschinenbauer sind nur wenige der Spezialisten, deren Expertise bei seinem archäologischen Forschungsfeld benötigt wird, will man Ausgrabungen durchführen, ohne die Erde zu berühren. Bei den Ausgrabungen im Zuge der A5-Baustelle waren Neubauer und sein Team nicht dabei. »Das ist das große Problem mit dem Gesetz, das in Österreich nur eine Anlassgesetzgebung ist«, bedauert Neubauer. »Große Flächen werden verändert oder zerstört, ohne dass Grabungen stattfinden. Im Durchschnitt 20 Hektar pro Tag! Dabei könnte so viel erhalten bleiben, wenn man das Gelände vorab zerstörungsfrei untersuchen würde.« In Österreich wird nur entlang der Trassen gegraben und das auch nur, wenn eine Baggerschaufel bereits etwas freigelegt hat. »Aber dass die ganzen Informationen links und rechts neben der Trasse durch Überschüttungen und dergleichen verloren gehen, ist ein Trauerspiel«, konstatiert der Wissenschafter. Dabei könnte man aber auch europäische Richtlinien hernehmen. »Da gibt es etwa die Valetta-Konvention, ein Teil des Malta Treatys aus dem Jahr 1992, die besagt, dass zerstörungsfreie Methoden vorab eingesetzt werden müssen. Dies wurde in Österreich erst 2015 ratifiziert. Das zeigt deutlich, wo der Stand in unserem Land ist. Das sind Dinge, auf die wir gerne immer wieder hinweisen. Traurig, wenn man bedenkt, wo im Ausland wir mit unseren Untersuchungsmethoden überall unterwegs sind und was dabei alles herauskommt und zu Hause schieben sie mit dem Bagger die Sachen davon«, kann der Experte das Unverständnis nicht begreifen. Noch dazu: Bringe dann eine Baggerschaufel etwas zutage, sodass besagter Anlass eintritt, dass gegraben werden müsse, würden auch noch viel zu wenig Mittel freigemacht, weshalb die Grabungen sehr schnell wieder abgeschlossen werden müssten und dadurch wiederum nicht auf dem letzten Stand der Wissenschaft gearbeitet werden könne.

Demgegenüber sieht Neubauer die internationalen Vorzeigeprojekte seines Teams, zu denen auch Carnuntum zu zählen ist, wo sie das gesamte römische Stadtgebiet im Ausmaß von 10 m2 vermessen haben. Aber dies sei dem persönlichen Verständnis und Interesse des ehemaligen Landeshauptmanns Dr. Pröll zu verdanken. Der habe erkannt, dass diese Methoden wichtig sind im Spannungsfeld von Denkmalschutz und Wirtschaftsentwicklung, damit bei der Raumplanung Konflikte zwischen diesen beiden Positionen erst gar nicht entstehen. »Das war sehr wichtig, dass er das über die Jahre hinweg unterstützt hat, dafür sind wir sehr dankbar. Seine Unterstützung hatte nichts mit dem Bundesgesetz oder dem Bundesdenkmalamt zu tun, sondern war eine Initiative des Landes Niederösterreich und des Herrn Pröll«, findet Neubauer bemerkenswert.

Ein spezielles Interesse für Kelten oder Wikinger kann Wolfgang Neubauer bei sich nicht finden, der räumliche Fokus auf Mittel- und Nordeuropa hat andere Gründe. Im Gegenteil, sein Team und er betreiben zurzeit 35 größere Projekte, die nach thematischen Schwerpunkten einzuteilen sind. Das sind zum einen die römischen Städte mit Carnuntum und Flavia Solva. Ein ganz wesentliches Thema sind die Wikinger. »Das interessiert uns insofern, als dass wir viele skandinavische Partner haben, mit denen wir diese Projekte gemeinsam durchführen. Wir haben bereits vor etwa 15 Jahren eine große Wikingersiedlung in Schleswig-Holstein untersucht und würden gerne ihren Spuren bis Vinland in Nordamerika folgen«, führt Neubauer aus. Der andere große Themenbereich sind die Kreisgrabenanlagen, wie wir sie im Weinviertel haben, und die englischen Hengemonumente wie Stonehenge. Dieser Schwerpunkt Jungneolithikum, also die Zeit, in der die Menschen beginnen sesshaft zu werden, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, wird weiterhin ein Schwerpunkt bleiben. »Was wir neu begonnen haben, sind Unterwasser-Prospektionen. Das machen wir etwa im Salzkammergut. Da setzen wir Sonargeräte ein und können hochauflösende Bilder machen, wie sie bisher noch nicht gemacht wurden«, erzählt der Archäologe von seinen spannenden Aufgaben. Ob Gewässer, steile Klippen, Urwälder oder unsere metertiefen Lösshügel. Alle diese Geländearten müssen untersucht werden können und dazu braucht es spezielles Gerät und Technik. »Spezialflugzeuge mit großen Kameras, mit großen Laserscannern, mit Hyperspektral- oder Thermalscannern, womit wir große Gebiete abdecken«, kommen da zum Einsatz, »auch Drohnen werden manchmal gebraucht, wobei dafür der Flugraum bereits sehr begrenzt ist, in manchen Gebieten ist ihr Einsatz bereits verboten, weil zu viele unterwegs sind.« Oft überfliegen sie Gebiete immer wieder, um die Veränderung in einem Gelände über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren. Auch im Weinviertel tun sie das.

Wolfgang Neubauers Arbeit wird mit Respekt und Anerkennung behandelt, immerhin hat er viel für unser Geschichtswissen geleistet. So wurde er kürzlich in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen und 2015 vom Club der Wissenschaftsjournalisten zum Wissenschafter des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung wird an jene Wissenschafter verliehen, die »zur Mehrung des Rufs der Wissenschaft international beitragen«. Von manchen Wissenschaftern hat man den Eindruck, sie wären auf einer Insel, doch Neubauer findet eine Erklärung für den Anschein: »Vielleicht wirkt es deshalb so, weil sie sich nicht so ausdrücken können, wie sie das wollten. Aber wir haben ständig mit Leuten zu tun. Mittlerweile haben wir sicher schon mit 10.000 Grundbesitzern gesprochen, was wir da tun und auf ihrem Land vorhaben. Und das müssen wir so erklären, dass sie es auch verstehen. Da lernt man, von seiner Insel herunterzukommen.« Andererseits findet Neubauer müsse man der Gesellschaft, die die Wissenschaft finanziert, auch die Erkenntnisse daraus zurückgeben. Im Grunde ist ein Wissenschafter ein Auftragnehmer der Gesellschaft, und wie jeder Auftragnehmer muss er dem Kunden für das Geld Ergebnisse liefern. »Deshalb gehen wir auf die Medien aktiv zu, sprechen mit dem ORF, ob er nicht eine Dokumentation über mehrere Jahre mit uns machen möchte, sind am Bücher schreiben, sprechen mit Printmedien. Die enge Zusammenarbeit mit Medien führt dazu, dass dann auch korrekte Informationen publiziert werden. Das ist klar die Verantwortung der Wissenschafter«, betont der Archäologe.

Wohl eines von Wolfgang Neubauers bekanntesten Projekten ist die Stonehenge-Ausstellung im MAMUZ. Die Idee dazu überkam ihn, als er eine Feldforschung an Stonehenge durchgeführt hatte, die dabei erhobenen riesigen Datenmengen sind immer noch in Auswertung. Da fährt er am MAMUZ vorbei und sieht sich die Halle an: »Wow, die ist richtig schön groß, da kann man die Steine von Stonehenge eins zu eins reinstellen.« Mit dieser Idee im Kopf ging er zu MAMUZ-Geschäftsführer Matthias Pacher und der habe die Idee für cool befunden. Anschließend ging Neubauer zum Herrn Pröll, auch der fand die Idee cool. »Na und dann haben wir das gemacht. Wir haben die Anlage nachgebaut, um sie den Leuten zu zeigen und ihnen die Geschichte der Landschaft genauso zu erzählen, wie wir sie gerade erforscht haben«, erzählt der Wissenschafter ohne Insel. Sie haben die Leute und die Gemeinden, mit denen sie viel zusammenarbeiten, eingeladen, sich das anzuschauen. Neubauer selbst hat Führungen gemacht. Oft hörten sie die Frage, warum sie das nicht in Wien, Berlin oder London gemacht hätten. Warum gerade in Mistelbach? Dazu Neubauer immer wieder: »Weil es uns darum gegangen ist, genau hier den Leuten zu zeigen, was wir machen. Das war die bis dahin erfolgreichste Ausstellung im MAMUZ und wird sie wahrscheinlich noch länger bleiben.«

»Indem man eine tolle Frau und brave Kinder hat. Ohne meine Frau hätte ich schon mal keine fünf Kinder. Sie ist Hebamme im Krankenhaus Mistelbach.«

Nicht lange überlegt Wolfgang Neubauer eine Antwort auf die Frage, wie man eine Großfamilie und diesen Job unter einen Hut bringt: »Indem man eine tolle Frau und brave Kinder hat. Ohne meine Frau hätte ich schon mal keine fünf Kinder. Sie ist Hebamme im Krankenhaus Mistelbach.« Im Weinviertel zu leben bringe mit sich, dass einen Wein auch interessiere, sagt Neubauer und meint damit nicht nur Wein zu trinken, sondern die ganze Geschichte und Kultur, die mit ihm einhergeht. Deshalb beschäftigt sich der Archäologe auch wissenschaftlich damit. Vor zwei Jahren hat er das Kellerlabyrinth des Herrn Umschaid in Herrnbaumgarten gescannt und ebenso am kürzlich in Poysdorf abgehaltenen Kellergassensymposium teilgenommen. Für die Landesausstellung 2013 hatte er vorgeschlagen, die ganze Poysdorfer Gstetten zu scannen und ein 3D-Bild zu erstellen, das die gesamte Anlage unterirdisch und oberirdisch darstellt. »Aber ich konnte wohl nicht gut genug vermitteln, worum es da geht«, räumt er ein, »es konnte sich damals niemand vorstellen, wozu das gut sein soll.« Diese 3D-Scans haben sein Team und er schon oft gemacht, zum Beispiel die prähistorischen Bergwerke in Hallstatt oder die aufgelassenen Kohlebergwerke in Kroatien. Die Bilder zeigen, was das Auge nicht sehen kann und bringen unterirdische Welten zutage. Eine Technik, die gerade für unsere von Kellerröhren unterminierten Dörfer und Kellergassen spannend ist. Noch gehen dem Wolfgang Neubauer die Ideen lange nicht aus. Sein Forschungsdrang ist schier unersättlich. Der Aufdecker bringt noch vieles ans Licht, was tief vergraben scheint. 

GESCHRIEBENES: VIKTORIA ANTREY
FOTOGRAFIERTES: ALEXANDER BERNOLD, zVg.